Geschichte des Düsseldorfer Radschlägers
Historische Aufnahme mehrerer Kinder beim Radschlagen auf einem Düsseldorfer Platz um 1906.
Wie der Düsseldorfer Radschläger entstanden ist, lässt sich nicht auf ein einziges sicher belegtes Ereignis zurückführen. Mehrere Geschichten erklären, warum radschlagende Kinder zum Zeichen der Stadt wurden. Gerade diese Mischung aus Überlieferung, städtischem Selbstbild und nachweisbarer Alltagsgeschichte macht das Thema interessant.
Kurzfakten zur Geschichte
- Mehrere Legenden erzählen vom Ursprung; keine gilt als eindeutig bewiesen.
- Die bekannteste Geschichte verbindet das Radschlagen mit den Stadtrechten von 1288.
- Andere Überlieferungen handeln von fürstlichen Hochzeiten und einem Kutschenrad.
- Im 19. und frühen 20. Jahrhundert führten Kinder Besuchern das Radschlagen gegen kleine Münzen vor.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg begleitete das Motiv auch öffentliche Düsseldorfer Festzüge.
- Künstler entwickelten im 20. Jahrhundert prägende Darstellungen des Radschlägers.
Die Erzählung von 1288
Die bekannteste Legende setzt bei der Schlacht von Worringen an. Nach dem Sieg über den Kölner Erzbischof erhielt Düsseldorf im Jahr 1288 Stadtrechte. Der Überlieferung zufolge liefen Kinder aus Freude auf die Straßen und schlugen Räder. Die Geschichte ist einprägsam, doch sie ist kein gesicherter Augenzeugenbericht.
Hochzeit, Kutsche und ein lebendes Rad
Eine zweite Erzählung berichtet von einem gebrochenen Rad an einer Hochzeitskutsche. Ein Junge soll eingesprungen sein und das Rad gehalten haben. Eine weitere Variante erzählt, Radschläger hätten eine unglückliche Braut zum Lächeln gebracht. Die Namen der beteiligten fürstlichen Paare unterscheiden sich je nach Fassung. Deshalb sollten diese Geschichten als Legenden verstanden werden, nicht als zweifelsfrei belegte Tatsachen.
Vom Kinderkunststück zum Stadtsymbol
Greifbarer wird die Geschichte im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Große Ausstellungen brachten viele Gäste nach Düsseldorf. Kinder zeigten ihnen das Radschlagen und baten dafür um Geld. Der Ruf „för eene Penning“ erinnert an diese Zeit. Das Kunststück wurde damit zum vertrauten Teil des Straßenlebens und zum Sinnbild lokaler Eigenart.
Im 20. Jahrhundert festigte sich das Motiv weiter. Der Radschlägerbrunnen am Burgplatz wurde 1954 geschaffen. Friedrich Becker entwarf 1960 eine stark vereinfachte Radschlägerfigur, die später in verschiedenen städtischen Zusammenhängen auftauchte. Wer die erhaltenen und modernen Darstellungen sehen möchte, findet sie auf unserem Rundgang zu Radschlägern in Düsseldorf.
Die Geschichtswerkstatt Düsseldorf dokumentiert die Überlieferungen und ihre Entwicklung ausführlicher. Einen kompakten Überblick bietet die Startseite zum Düsseldorfer Radschläger; aktuelle Bezugsquellen stehen bei den Radschläger-Souvenirs.
Häufige Fragen
Welche Ursprungsgeschichte ist richtig?
Keine der bekannten Legenden lässt sich als einziger Ursprung beweisen. Sie zeigen vielmehr, wie Düsseldorf seine Tradition über lange Zeit erzählt hat.
Was bedeutet „för eene Penning“?
Der mundartliche Ausdruck bedeutet sinngemäß „für einen Pfennig“. Er erinnert an Kinder, die Besuchern gegen eine kleine Münze Räder vorführten.
Wer gestaltete den Radschlägerbrunnen?
Der Brunnen am Burgplatz wurde 1954 von Alfred Zschorsch geschaffen und von den Düsseldorfer Jonges gestiftet.
Foto: Friedrich Wolfrum / Wikimedia Commons